Der Sternhimmel im August


Dr. Cecilia Scorza

Haus der Astronomie am MPIA Campus

und Tilmann Althaus

Redaktion „Sterne und Weltraum“,

Max-Planck-Institut für Astronomie Heidelberg



1. Himmelsüberblick

Der Sommersternhimmel entfaltet im August seinen vollen Glanz. Hoch im Süden dominiert das Sommerdreieck mit Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler den Himmel. Das Sternbild der Leier befindet sich in Zenitnähe, und daneben ist das markante Sternenkreuz des Schwans zu sehen: Mit ausgebreiteten Flügeln fliegt er in südwestlicher Richtung durch die Milchstraße, die sich als schimmerndes Band über den Himmel zieht. Südlich des Schwans schließen sich die Sternbilder Adler und Pfeil an, gefolgt vom Schützen. Herkules, die Nördliche Krone und der Schlangenträger mit der Schlange sind im Westen zu sehen. Der Skorpion mit dem roten Stern Antares sinkt tief im Südwesten.



2. Sternbild des Monates: Die nördliche Krone

Krone Einst lebte auf der Insel Kreta der Minotaurus, ein Ungeheuer halb Mensch, halb Stier, das in einem Labyrinth hauste und sich von Menschenopfern ernährte. König Minos, der grausame Herrscher der Insel, hatte die Athener im Krieg besiegt. Daher verlangte er von den Athenern, ihm jedes Jahr sieben der schönsten Jünglinge und Jungfrauen auszuliefern, um diese dem Minotaurus zum Fraß vorzuwerfen. Freiwillig fuhr Theseus, der Sohn des Königs von Athen, als einer dieser Jünglinge nach Kreta; denn er wollte das Volk von der Bestie befreien. Als Theseus auf Kreta ankam, erblickte ihn Ariadne, die schöne Tochter des Königs Minos, und verliebte sich sogleich in ihn. Um Theseus zu helfen, gab ihm Ariadne heimlich ein Knäuel goldenen Fadens. Das Ende des Zwirns band der Königssohn am Eingang des Labyrinths. Mit der Krone auf dem Kopf und dem Schwert in der Hand trat er dem Ungeheuer entgegen. Das Untier war so geblendet vom hellen Glanz der Krone, dass Theseus es in einem fürchterlichen Kampf besiegte. Nun musste er nur noch dem goldenen Faden folgen und fand so den Weg aus dem Labyrinth. Nach seiner Rückkehr nahm er Ariadne mit auf sein Schiff. Zum Dank für ihre Hilfe schenkte er ihr seine Krone und versprach, sie zur Frau zu nehmen. Doch auf dem Heimweg erschien ihm die Göttin Athene im Traum. Sie offenbarte ihm, dass Ariadne bereits Dionysos, dem Gott des Weins, zur Frau versprochen sei. Und so ließ Theseus schweren Herzens die schlafende Ariadne auf der Insel Naxos zurück, wo sie bald mit Dionysos vermählt werden sollte. Als Erinnerung an dieser unglückliche Liebe versetzten die Götter die Krone in den Nachthimmel.



3. Mond und Planeten

Neumond ist am 10.8, Vollmond am 24.8. Merkur ist zur Zeit nicht sichtbar, Venus ist kurz am Abendhimmel zu sehen, Mars passiert den Ringplanet Saturn am Monatsanfang und ist danach nicht mehr zu sehen. Der Riesenplanet ist nun die ganze Nacht sichtbar, Saturn ist wie Mars nur Anfang des Monates am Abendhimmel sichtbar. Uranus weilt zu Zeit im Sternbild Fische und ist in der erste Nachthälfte sichtbar. Neptun leuchtet hell in Sternbild Wassermann.



5. Das warme Herz des Grossen Roten Flecks


Das markanteste Merkmal des größten Planeten unseres Sonnensystems ist neben den Wolkenbändern der Große Rote Fleck (GRF) des Jupiter. Seit mehr als 300 Jahren bekannt, zeigt er sich derzeit als hellroter Wirbel mit dem doppelten Durchmesser unserer Erde. Nun enthüllen Aufnahmen mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile und Daten anderer erdgebundener Großteleskope im

Infraroten erstmals Details im Inneren des riesigen Sturmwirbels (siehe die Bilder rechts).

Lange Zeit rätselten die Astronomen über die Natur des Flecks, der in Größe und Intensität seiner roten Farbe sehr variabel ist, aber nie ganz von Jupiters Antlitz verschwindet. Manche frühen Forscher sahen ihn als Lücke in der Wolkendecke des Gasplaneten, durch die der Blick in tiefere Schichten möglich sei. Andere stellten ihn sich als eine treibende Insel vor, die auf dichteren Gasschichten schwimmt. Erst die Aufnahmen der US-Raumsonden Pioneer 10 und 11 aus den Jahren 1973 und 1974 belegten eindeutig, dass der GRF ein gigantischer Wirbelsturm ist, der unablässig auf niedrigen südlichen Breiten des Planeten tobt. Es gibt noch zahlreiche weitere Sturmwirbel auf Jupiter, aber keiner kann es an Größe mit dem GRF aufnehmen. Frühere Aufnahmen im Infraroten ergaben, dass der Fleck kälter als seine Umgebung ist, die Temperatur im Inneren beträgt rund –160 Grad Celsius. Die neuen Infrarotbilder mit ihrer hohen Auflösung zeigen nun, dass

die Temperatur im Zentrum des GRF etwa drei bis vier Grad höher liegt als in anderen Bereichen des Wirbels. Die wärmere Zone fällt zudem mit dem rötesten Bereich des Wirbelsturms zusammen. Der Temperaturunterschied mag niedrig erscheinen, aber er reicht aus, um die Zirkulation im Wirbelsturm, die im Allgemeinen im Gegenuhrzeigersinn erfolgt, im Zentrum in eine schwache Strömung im Uhrzeigersinn umzukehren. Auch in anderen Regionen des Riesenplaneten reichen derart geringe Temperaturdifferenzen aus, die Windgeschwindigkeiten und die Wolkenstrukturen in den Bändern und

Zonen zu beeinflussen. Das Forscherteam um Glenn Orton am Jet Propulsion Laboratory der NASA stellte fest, dass sich mit den neuen Daten erstmals eine Verbindung von den Umweltbedingungen wie Temperatur, Druck und chemischer Zusammensetzung mit der tatsächlichen Farbe des GRFs herstellen lässt. Die Forscher betonen, dass sie zwar spekulieren können, aber immer noch nicht wissen, welche Stoffe und chemische Reaktionen für die rote Farbe des Flecks verantwortlich sind. Eine endgültige Abhilfe könnte

hier wohl nur eine Eintauchsonde schaffen, die direkt im Großen Roten Fleck in Jupiter eindringt und vor Ort die chemische Zusammensetzung der Gase, Flüssigkeitströpfchen und Schwebstoffe analysiert. Allerdings ist eine derartig aufwändige Raumsondenmission auch in fernerer Zukunft bislang nicht geplant.


Jupiter

Bild: Mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO entstand ein Infrarotbild des Großen Roten Flecks (GRF) auf Jupiter (oben). Es wurde bei der Wellenlänge 10,3 Mikrometer aufgenommen. Der GRF erscheint bei dieser Wellenlänge dunkel, da er kühler als seine Umgebung ist und somit weniger hell strahlt. Das Bild unten ist eine Aufnahme des Weltraumteleskops Hubble im sichtbaren Licht. Bildnachweis: ESO/NASA/JPL/ESA/L. Fletcher


INFO

Astronomieworkshops für die Schule: Die Astronomieschule e.V. am Zentrum für Astronomie der Universität (ZAH) bietet wöchentliche Astronomieworkshops für alle Schulklassen sowie Lehrerberatung für Schulprojekte an. Nähere Information, Anfragen und Anmeldung erfolgen unter www.astronomieschule.org.


Führungen: Die Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl bietet regelmäßige Führungen an, bei denen, gutes Wetter vorausgesetzt, Beobachtungen am Fernrohr durchgeführt werden. Näheres unter 06221- 541706 (zwischen 12:00 und 16:00 Uhr) oder unter http://www.lsw.uni-heidelberg.de