Der Sternhimmel im Juli
Dr. Cecilia Scorza und Tilmann Althaus
Haus der Astronomie am MPIA Campus
1. Himmelsüberblick
Der Übergang vom Frühlings- zum Sommersternhimmel ist bereits vollzogen. Das Sommerdreieck, bestehend aus Wega (Leier), Deneb (Schwan) und Atair (Adler) dominiert die Himmelsbühne. Zwischen Schwan und Adler sieht man das Sternbild Pfeil, und südöstlich davon den winzigen Delphin. Blickt man vom Zenit nach Süden, so kommen nacheinander die Sternbilder Herkules und Schlangenträger. Der Skorpion steht knapp über dem südlichen Horizont, sein hellster Stern Antares lässt sich nicht übersehen. Antares ist ein alter Stern, der zu den sogenannten Überriesen zählt. Er ist so riesengroß, dass unsere Sonne samt Merkur-, Venus- und Erdbahn in seinem Inneren Platz finden würden! Westlich von Herkules strahlt die nördliche Krone und neben an das Sternbild Bootes mit seinem hellen Stern Arktur.
2. Sternbild des Monates: Schlangenträger

Laut mythologischen Quellen verliebte sich einmal der Gott Apollon in die schöne Prinzessin Koronis, die darauf hin bald ein Kind erwartete. Als Apollon nach Delphi zurückkehren musste, ließ er bei der Prinzessin einen weißen Raben zurück, der auf sie aufpassen sollte. Unglücklicherweise verliebte sich Koronis in einen Fremden, was dem Raben nicht verborgen blieb. Dieser flog zur Apollon und brachte ihn mit der Hoffnung auf Belohnung die schlechte Nachricht. Apollon zürnte dem Raben als dem Überbringer der schlechten Nachricht und verwandelte sein weißes Gefieder in ein schwarzes. Seitdem haben alle Raben schwarze Federn und sind als Unglücksbringer bekannt. Als das Kind auf die Welt kam, übergab es Apollon dem weisen Kentauren Chiron. Asklepios, so wurde das Kind von seinem Vater genannt, lernte von Chiron die Kunst des Heilens und wurde ein berühmter Arzt. Er konnte nicht nur Kranke heilen, sondern sogar Verstorbene wieder ins Leben zurückrufen. Diese Herrschaft über Leben und Tod wurde Asklepios zum Verhängnis: Da die Götter seine Macht nicht ertrugen, erschlug ihn Zeus ihn mit einem tödlichen Blitz. Um Apollon zu versöhnen, versetzte er den Asklepios, der auch mit Hilfe von Schlangengift heilende Elixiere bereitete, als Schlangenträger unter die Sterne.
3. Mond und Planeten
Am 1. Juli ist Neumond, am 15. Vollmond. Merkur zeigt sich bis 9. Juli nach Sonnenuntergang. Venus geht nur kurz vor der Sonne auf. Mars, Uranus und Neptun sind in der zweiten Nachthälfte zu finden. Der Gasriese Jupiter geht um Mitternacht im Ostnordosten auf. Er ist mit -2.4 Grössenklassen ziemlich hell und befindet sich im Sternbild Widder. Saturn verfrüht seinen Untergang auf 23 Uhr und ist im Juli bei Beginn der Nacht nur noch tief im Westsüdwesten zu sehen.
4. NGC 5882 -ein Planetarischer Nebel im Sternbild Wolf
Wenn ein Stern mit etwas mehr als einer Sonnenmasse und weniger als acht Sonnenmassen das Ende seines Daseins erreicht, erlöschen in seiner Zentralregion die Kernfusionsreaktionen, die ihm für lange Zeit Energie lieferten. Kurz bevor er sich zu einem Weißen Zwerg zusammenzieht, einem Gebilde von etwa der Größe der Erde, aber mit der bis zu 1,4-fachen Masse der Sonne, stößt er seine äußeren Schichten ab, die dann eine Hülle um seinen ehemaligen Kern bilden. Dies geschah auch vor wenigen tausend Jahren mit einem rund 7000 Lichtjahre von uns entfernten Stern im Sternbild Wolf, der heute vom farbenprächtigen Nebel NGC 5882 umgeben ist. Deutlich lassen sich auf dieser Aufnahme des Weltraumteleskops Hubble zwei unregelmäßige Gashüllen erkennen, die den Zentralstern umgeben. Die Hüllen werden von der starken ultravioletten Strahlung des Weißen Zwergs, der an seiner Oberfläche rund 70 000 Grad Celsius heiß ist, zum Leuchten im sichtbaren und infraroten Licht angeregt. (Zum Vergleich: Unsere Sonne ist an ihrer Oberfläche »nur« rund 5500 Grad Celsius heiß.) Planetarische Nebel sind relativ kurzlebige Gebilde, denn sie leuchten nur für wenige tausend Jahre. Danach haben sich ihre Gasmassen so weit ausgedehnt und von ihrem Zentralgestirn entfernt, dass sie von ihm nicht mehr zum Leuchten angeregt werden können. Das Bild ist ein Komposit aus Aufnahmen im grünen und orangefarbenen sichtbaren Licht und wurde mit der Weitfeld-Planetenkamera-2 des Weltraumteleskops Hubble bei den Wellenlängen 502, 555, 656 und 658 Nanometer aufgenommen. POTW 1114A

Das Weltraumteleskop Hubble lieferte diese Aufnahme des Planetarischen Nebels NGC 5882 im Sternbild Wolf. Deutlich lassen sich zwei unregelmäßige konzentrische Hüllen erkennen, die vom Zentralstern ausgestoßen wurden. ESA / Hubble und NASA
INFO
Astronomieworkshops für die Schule: Die Astronomieschule e.V. am Haus der Astronomie in Heidelberg bietet wöchentliche Astronomieworkshops für alle Schulklassen sowie Lehrerberatung für Schulprojekte an. Nähere Information, Anfragen und Anmeldung erfolgen unter www.astronomieschule.org.
Im Rahmen der Vortragsreihe „Astronomie am Sonntag Vormittag“, jeweils 11:15 Uhr am Max-Planck-Institut-Hörsaal, finden folgenden Vorträge statt: 3. Juli „Herschels Blick ins Universum“ Dr. Oliver Krause (MPIA); 10. Juli „Leben im Universum“, Dr. Lisa Kaltenegger (MPIA); 17. Juli „Die Erde als Planet“, Tilmann Althaus (SuW), 24. Juli „Die gigantischen Schwarzen Löcher in den Zentren von Galaxien“, Dr. Knud Jahnke (MPIA).