Der Sternhimmel im Juli

Dr. Cecilia Scorza - Haus der Astronomie am MPIA Campus
und
Benjamin Knipsel - Redaktion "Sterne und Weltraum"



Himmelsüberblick

Der Übergang vom Frühlings- zum Sommersternhimmel ist bereits vollzogen. Das Sommerdreieck, bestehend aus Wega (Leier), Deneb (Schwan) und Atair (Adler) dominiert die Himmelsbühne. Zwischen Schwan und Adler sieht man das Sternbild Pfeil, und südöstlich davon den winzigen Delphin. Blickt man vom Zenit nach Süden, so kommen nacheinander die Sternbilder Herkules und Schlangenträger. Der Skorpion steht knapp über dem südlichen Horizont, sein hellster Stern Antares lässt sich nicht übersehen. Westlich von Herkules strahlt die nördliche Krone und neben an das Sternbild Bootes mit seinem hellen Stern Arktur.Dieser ist ein alter Stern, der zu den sogenannten Überriesen zählt. Er hat den 31facher Durchmesser der Sonne.


Mond und Planeten

Am 3.7 ist Vollmond, am 19.7 Neumond. Merkur ist zu Zeit nicht beobachtbar. Venus zeigt sich als Morgenstern. Mars lässt sich im Sternbild Jungfrau beobachten. Jupiter zeigt sich auch am Morgenhimmel. Saturn kann wie Mars im Sternbild Jungfrau gesichtet werden. Uranus ist ein Planet der zweiten Nachthälfte. Neptun im Wassermann geht erst um Mittenacht auf.


Schneeballschlacht im Saturnsystem

Nicht nur jeder Amateurastronom kennt es: das beeindruckende Ringsystem des Gasplaneten Saturn. Wahrscheinlich entstanden aus einem Eismond, der von den Gezeitenkräften des Planeten zerrissen wurde, umkreisen Milliarden von Eis- und Gesteinsbrocken den Saturn. Sie werden teilweise durch nahe an ihnen laufende Schäfermonde in Form gehalten, in einigen Fällen aber auch geradezu zerwühlt. Das wiesen Astronomen nun in Aufnahmen der Raumsonde Cassini am F-Ring des Saturn nach.
Der F-Ring besteht aus Teilchen, die den Saturn in einer Entfernung von rund 140 000 Kilometern umrunden. Sie werden von den kleinen Monden Pandora und Prometheus begleitet, die mit ihrer Anziehungskraft die Struktur des Rings maßgeblich beeinflussen. Schon länger war bekannt, dass dadurch Wellen, Kanäle und große schneeballartige Verklumpungen im F-Ring entstehen. Die Forscher wussten jedoch nicht, was auf Dauer aus diesen Riesenschneebällen wird, die bis zu einem Kilometer Größe heranwachsen. Nun entdeckten sie, dass einige von ihnen länger als gedacht zusammenhalten und dabei auf ihren Bahnen erneut mit dem F-Ring kollidieren. Die Schneebälle sind allerdings relativ zu den Ringteilchen sehr gemächlich unterwegs. Bei nur etwa sieben Kilometern pro Stunde stoßen sie mit der Geschwindigkeit eines Joggers zusammen. Die Kollisionen reißen die Ringteilchen mit, so dass sich 40 bis 180 Kilometer lange Säulen, so genannte Mini-Jets, entlang der Bahn des Schneeballs bilden. So verändert sich der F-Ring innerhalb nur weniger Stunden. Die Astronomen entdeckten eine solche Struktur zufällig bei einer Beobachtung des Monds Prometheus. Wegen der enormen Größe des F-Rings waren die kleinen Jets zuvor kaum aufgefallen. Der Ringumfang beträgt rund 881000 Kilometer, die typische Größe der Schneeballspuren beträgt also nur 0,1 Promille des Umfangs. Die Wissenschaftler durchkämmten systematisch insgesamt 20000 Aufnahmen der Cassini-Sonde auf der Suche nach den Jets. So identifizierten sie insgesamt 500 Mini-Jets in den Bildern, die einen Zeitraum von sieben Jahren abdecken. Besonders erstaunlich waren Aufnahmen, die gleich mehrere der Mini-Jets eng beieinander zeigten. Der F-Ring sah dort aus wie eine mit Widerhaken versehene Harpune. Dort pflügten die Schneebälle im Formationsflug durch den Ring.

Saturnring

Bild: NASA / JPL-Caltech / SSI / QMUL


Info

Astronomie auf dem Königstuhl: Am 22. Juli, 10-17 Uhr, findet der Tag der offener Tür des Max-Planck-Institutes für Astronomie und des Hauses der Astronomie mit Beteiligung der Landessternwarte/Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg und MPI für Kernphysik statt. Die Themen: Forschung an den größten Teleskopen der Welt, Wissenschaftliche Raumfahrt: neue Projekte und Ergebnisse, Filme, Modelle, Simulationen, Vorträge, Demonstrationen zur Astrophysik, Feinmechanik, Elektronik, CCDs, Kryotechnik, Adaptive Optik, astronomische Bücherschau, vielseitiges Kinderprogramm, Speisen und Getränke. Bus-Transfer mit Linie 39 ab Bismarckplatz, Heidelberg (kostenpflichtig)