Der Sternhimmel im Juni
Totale Mondfinsternis am 15. Juni
Dr. Cecilia Scorza de Appl
Haus der Astronomie
und Tilmann Althaus
Redaktion „Sterne und Weltraum“,
Max-Planck-Institut für Astronomie Heidelberg
1. Himmelsüberblick
Am Nachthimmel werden allmählich die ersten Sommersternbilder sichtbar. Das Sommerdreieck mit Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Schwan, ist schon in Osten zu sehen. Das Frühlingsdreieck, bestehend aus Arktur im Bootes, Regulus im Löwe und Spica in der Jungfrau, ist Richtung Westen gerückt. Alle hellen Wintersternbilder sind verschwunden, mit Ausnahme von Kapella (im Fuhrmann) und Castor und Pollux (im Zwillinge), die noch tief in Nordwesten strahlen. Als Erstes fällt in der nun spät einsetzenden Abenddämmerung hoch im Südwesten ein heller, deutlich orangenroter Stern auf. Es ist Arktur, der hellste Stern des Sternbildes Bootes. Der Name Bootes kommt aus dem Griechischen Boωτης, dass Ochsentreiber oder Rinderhirt bedeutet. Arktur ist ein Stern der sich schon seinem letzten Entwicklungsphase nähert. Als Roter Riese klassifiziert ist er der dritthellste Stern an der ganzen Himmelkugel. Seine Entfernung beträgt 36 Lichtjahre (ein Lichtjahr entspricht 10 Billionen km!) und er strahlt 107mal so hell wie unsere Sonne, die er an Größe dreißig Mal übertrifft.
2. Sonne, Mond und Planeten
Neumond ist am 1. Juni, Vollmond am 15. Merkur bleibt wegen seiner Nähe zur Sonne unsichtbar. Venus tritt in Juni von der Himmelsbühne ab. Mars kann nicht beobachtet werden. Jupiter zeigt sich wieder am Morgenhimmel, am 15.6 geht er um 3:41 Uhr auf. Saturn ist jetzt das bevorzugte Objekt der ersten Nachthälfte. Uranus lässt ich am Morgenhimmel sichten. Neptun geht am 15. Juni um 0:50 Uhr auf und kann in Wassermann gesichtet werden.
3. Mondfinsternis am 15. Juni
Am 15. Juni 2011 ereignet sich eine totale Mondfinsternis, die sich von Mitteleuropa aus nur zum Teil beobachten lässt. Der Mond tritt um 20:30 Uhr MESZ in den Kernschatten der Erde ein und ist ab 21:22 Uhr völlig von ihm erfasst. Etwa eine Viertelstunde später sollte man den rötlichen Erdtrabanten dann tief am südöslichen Horizont sichten können. Um 23:03 Uhr verlässt der Mond den Kernschatten und um 00:02 Uhr ist die partielle Phase beendet.

4. Sternentod in Farbe
Ein Stern von etwas mehr als der Masse unserer Sonne befindet sich in seinen letzten Todeszuckungen und steht kurz davor, einen Planetarischen Nebel auszustoßen. Der
Westbrook-Nebel oder PK 166-06 befindet sich rund 5000 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Perseus. In seinem Kern sind die Fusionsreaktionen erloschen, und er ist dabei, sich zu einem Weißen Zwerg zu entwickeln. Derzeit ist der Stern von einem Präplanetarischen Nebel umgeben, einer relativ dunklen und opaken Wolke aus Gas und Staub, die von ihm zuvor ausgestoßen wurde. Sie enthält unter anderem auch Beimengungen von Kohlenmonoxid und Blausäure. Präplanetarische Nebel sind kühl und senden daher nur wenig Licht aus. Deswegen sind sie sehr leuchtschwach und lassen sich nur mit lichtstarken Teleskopen ablichten. Dieses Bild stammt vom Weltraumteleskop Hubble und ist ein Komposit aus Aufnahmen im sichtbaren Licht und im nahen Infraroten. Die im sichtbaren Licht gewonnenen Aufnahmen zeigen das von der Gas- und Staubwolke reflektierte Licht, während im Infraroten das schwache Leuchten aus dem Inneren des Nebels sichtbar wird. Der eigentliche Stern im Zentrum steckt zu tief in den Staubwolken und lässt sich darum nicht erkennen. Wenn der Zentralstern endgültig zum Weißen Zwerg geworden ist, hat er seine äußeren Schichten durch einen starken Sternwind in die nähere Umgebung abgeblasen, die dann eine Hülle um ihn bilden. Da Weiße Zwerge sehr heiß sind, senden sie große Mengen an energiereicher ultravioletter Strahlung aus. Diese regt dann die Gase in der ausgestoßenen Hülle zum Aussenden sichtbaren und infraroten Lichts an, ein farbenprächtiger Planetarischer Nebel ist dann für wenige tausend bis zehntausend Jahre sichtbar.

Bild (Quelle ESA/ Hubble und NASA): Wie eine Explosionswolke erscheinen die vom Zentralstern im Westbrook-Nebel ausgestoßenen Gasmassen. Der Stern ist dabei, sich zu einem Weißen Zwerg zu entwickeln.
INFO
Astronomie für die Schule: Die Astronomieschule e.V. am Haus der Astronomie bietet wöchentliche Astronomieworkshops für alle Schulklassen sowie Lehrerberatung für Schulprojekte an. Nähere Information, Anfragen und Anmeldung erfolgen unter www.astronomieschule.org.
Astronomie am Sonntag Vormittag. Das Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA), Zentrum für Astronomie Heidelberg (ZAH), Max-Planck-Institut für Kernphysik (MPIK), die Redaktion »Sterne und Weltraum« (SuW), und das Haus der Astronomie (HdA) veranstalten zusammen eine Vortragsreihe “Astronomie am Sonntag Vormittag”. Ort: Max-Planck-Institut für Astronomie, Königstuhl 17, Zeit: Sonntags, 11:15 Uhr. Programm: 5. Juni, Die Suche nach den Planeten ferner Sterne (Sabine Reffert, ZAH); 19. Juni, Der Urknall: Risiken und Nebenwirkungen (Matthias Bartelmann, ZAH); 26. Juni, Das letzte Aufblitzen: Mit Röntgen bis an die Grenzen Schwarzer Löcher (José Crespo, MPIK). Unkostenbeitrag: 2 Euro Kartenvorverkauf: Zigarren Grimm GmbH, Sofienstr. 11, 69115 Heidelberg, Tel.: 06221 – 20909,
Uni(versum) für alle. Im Rahmen des 625-jährigen Jubiläums der Universität Heidelberg halten heidelberger AstronomInnen im Sommersemester 2011 als "astronomische Mittagspause" jeden Tag einen 15minütigen Kurzvortrag zu einer einfachen Frage aus der Astronomie, wie etwa: Gibt es eine zweite Erde? Was ist eigentlich "die Milchstraße". Ort: Peterskirche (Plöck 70, Altstadt) von 12:30 Uhr - 13:00 Uhr. Das komplette Programm finden Sie unter: http://www.universum-fuer-alle.de