Der Sternhimmel im Mai

Mars und Saturn am Himmel zu sehen

Dr. Cecilia Scorza de Appl - Landessternwarte (ZAH), Ruprecht-Karls-Universität
und
Tilmann Althaus - Redaktion "Sterne und Weltraum", Max-Planck-Institut für Astronomie Heidelberg



Himmelsüberblick

Der Wintersternhimmel nimmt endgültig Abschied und lässt den Frühlingssternbildern Platz. Tief am nordwestlichen Himmel ist noch das Sternbild Zwillinge mit den Sternen Kastor und Pollux noch zu erkennen. Den Südhimmel nimmt jetzt das Frühlingsdreieck ein. Es wird gebildet von den hellen Sternen Arktur im Boote, Regulus im Löwen und Spica in der Jungfrau. Auffallend strahlt im Sterbild Löwe der Ringplanet Saturn.Südlich davon streckt sich die Nördliche Wasserschlange, mit den Sternbildern Rabe und Becher. Zwischen Löwe und der Bärenhüter, strahlt das unauffällige Sternbild Haar der Berenice. In Nordosten treten langsam die Sommersternbilder Herkules, Schwan und Leier auf die Himmelsbühne. Der rote Planet Mars ist im Sternbild Krebs zu sehen. Saturn strahlt zur Zeit in Jungfrau.


Das Sternbild des Monats: Die nördliche Krone

Krone Einst lebte auf der Insel Kreta der Minotaurus, ein Ungeheuer halb Mensch, halb Stier, das in einem Labyrinth hauste und sich von Menschenopfern ernährte. König Minos, der grausame Herrscher der Insel, hatte die Athener im Krieg besiegt. Daher verlangte er von den Athenern, ihm jedes Jahr sieben der schönsten Jünglinge und Jungfrauen auszuliefern, um diese dem Minotaurus zum Fraß vorzuwerfen. Freiwillig fuhr Theseus, der Sohn des Königs von Athen, als einer dieser Jünglinge nach Kreta; denn er wollte das Volk von der Bestie befreien. Doch bisher war es noch keinem Menschen gelungen, den Ausgang aus dem Labyrinth zu finden. Als Theseus auf Kreta ankam, erblickte ihn Ariadne, die schöne Tochter des Königs Minos, und verliebte sich sogleich in ihn. Um Theseus zu helfen, gab ihm Ariadne heimlich ein Knäuel goldenen Fadens. Das Ende des Zwirns band der Königssohn am Eingang des Labyrinths. Mit der Krone auf dem Kopf und dem Schwert in der Hand trat er dem Ungeheuer entgegen. Das Untier war so geblendet vom hellen Glanz der Krone, dass Theseus es in einem fürchterlichen Kampf besiegte. Nun musste er nur noch dem goldenen Faden folgen und fand so den Weg aus dem Labyrinth.Nach seiner Rückkehr nahm er Ariadne mit auf sein Schiff. Zum Dank für ihre Hilfe schenkte er ihr seine Krone und versprach, sie zur Frau zu nehmen. Doch auf dem Heimweg erschien ihm die Göttin Athene im Traum. Sie offenbarte ihm, dass Ariadne bereits Dionysos, dem Gott des Weins, zur Frau versprochen sei. Und so ließ Theseus schweren Herzens die schlafende Ariadne auf der Insel Naxos zurück, wo sie bald mit Dionysos vermählt werden sollte.


Mond und Planetenlauf

Neumond am 14.5, Vollmond ist am 28.5. Merkur ist unsichtbar. Venus ist als Abendsterne Mai und Juni kurz nach Sonnenuntergang zu sehen. Mars bewegt sich rückläufig durch das Sternbild Krebs. Der Riesenplanet Jupiter ist am Morgenhimmel zu sehen. Saturn bewegt sich rückläufig durch das Sternbild Jungfrau und ist ein Objekt der ersten Nachthälfte.Uranus steht noch zu dicht bei der Sonne und fällt daher als Beobachtungsobjekt im Mai aus. Neptun lässt sich im Sternbild Wassermann gegen Ende der Nacht tief im Südosten erspähen.


Ammoniak und Wasser auf dem Saturnmond Enceladus

Venussonde
Bild JAXA: Im Herbst 2010 soll die japanische Raumsonde Akatsuki in eine Umlaufbahn um die Venus einschwenken.

Mit der »Morgendämmerung« zum Abendstern Japan bereitet sich auf seinen nächsten Schritt ins All vor: Am 18. Mai 2010 plant die japanische Raumfahrtbehörde JAXA den Start ihrer ersten Venussonde Akatsuki. Dieser Name bedeutet im Japanischen »Morgendämmerung«. Der Start erfolgt mit der H2-Trägerrakete vom japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima. Nach rund sechs Monaten Flug wird Akatsuki in eine hochelliptische Umlaufbahn um unseren inneren Nachbarplaneten einschwenken, die fast Exakt über die Pole der Venus führt. Für einen Umlauf wird die Sonde rund 30 Stunden benötigen, dabei variiert ihr Abstand vom Planeten zwischen 200 und 80 000 Kilometern. Die rund 500 Kilogramm schwere und kastenförmige Sonde ist mit insgesamt sechs Instrumenten zur Erkundung der Venusatmosphäre und der festen Oberfläche ausgerüstet. Fünf von ihnen sind Kameras, die das Wettergeschehen in der dynamischen Atmosphäre der Venus im infraroten und im ultravioletten Spektralbereich untersuchen. In diesen beiden Spektralbereichen zeichnet sich die dichte Venusatmosphäre, die zu 96 Prozent aus Kohlendioxid besteht, durch sehr wechselhafte und sich ständig verändernde Wolkenstrukturen in der permanenten Wolkendecke aus. Im sichtbaren Licht ist diese niemals aufreißende Wolkendecke undurchdringlich und erscheint völlig strukturlos. Im Ultravioletten lassen sich vor allem Strukturen in den hohen Schichten der Venusatmosphäre erkunden, während im Infraroten tiefe Einblicke bis hinunter zur festen Oberfläche möglich sind. Zudem soll nach Blitzen in den Venuswolken gesucht werden, für die es einige indirekte Anzeichen gibt, die aber noch nie von einer Kamera festgehalten werden konnten. Mit einer der Infrarotkameras möchten die japanischen Forscher zudem nach aktiven Vulkanen auf der Venus Ausschau halten. Obwohl die Oberfläche im Durchschnitt rund 450 Grad Celsius heiß ist, sind die Auswürfe von aktiven Vulkanen mit bis zu 1200 Grad Celsius noch wesentlich heißer. Sie sollten sich daher als helle Punkte auf den Bildern abzeichnen. Bislang gelang es aber noch keiner Raumsonde, aktive Venusvulkane zweifelsfrei nachzuweisen.


Info

Führungen: Die Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl bietet regelmäßige Führungen an, bei denen, gutes Wetter vorausgesetzt, Beobachtungen am Fernrohr durchgeführt werden. Näheres unter 06221- 541706 (zwischen 12:00 und 16:00 Uhr) oder unter http://www.lsw.uni-heidelberg.de.